Deutsche Burgenvereinigung Gast auf der Burg und in der Altstadt von Hilpoltstein
Eine Delegation mit Mitgliedern der Deutschen Burgenvereinigung, Landesgruppe Bayern, war bei ihrem Jahresausflug Gast in Hilpoltstein. MuH-Vorsitzender Bernd Beringer freute sich, erstmals Vertreter dieser Vereinigung in Hilpoltstein begrüßen zu können. Diesen Besuch sah Beringer als Ehre und auch als ein Zeichen der Wertschätzung und Bedeutung der Burg und der Altstadt Hilpoltsteins mit ihren herausragenden historischen Gebäuden. Mit Dr. Thomas Platz – der promovierte Archäologe ist jetzt Leiter der Bodendenkmalpflege in Duisburg – konnte ein exzellenter Wissenschaftler und Fachmann für die Führung gewonnen werden. Der gebürtige Hilpoltsteiner hat von 1988 bis 1991 bekanntlich umfang- und erkenntnisreiche Grabungsarbeiten auf der Burg geleitet und seine Dissertation über diese Grabungszeit verfasst.
Bürgermeister Markus Mahl und auch der designierte künftige Bürgermeister Felix Erbe hoben in ihren Grußworten die besondere Bedeutung der Burg als Wahrzeichen der Stadt Hilpoltstein hervor. Sie wiesen aber auch auf den finanziellen und personellen Aufwand durch Stadt und Landkreis hin, der zum Erhalt des gesamten Burgareals notwendig ist. Die große Herausforderung der nächsten Jahre wird die notwendige umfangreiche Sanierung und ein Konzept für die künftige Nutzung des früheren Krankenhauses sein.
Vorstand Bernd Beringer ging zum Auftakt der Besichtigungen auf die Vorschläge des MuH zur künftigen Nutzung ein. Der MuH sowie eine in großem Umfang befragte „Bürgerwerkstatt“ favorisieren ein „Leuchtturmprojekt“ für Stadt und Landkreis: ein Bürger-, Kultur- und Touristenzentrum. Dies könnte unter anderem einen Kultur- und Bürgersaal für größere private Feste wie Hochzeiten oder Geburtstage, einen kleinen Saal für Tagungen bis hin zur Unterbringung der Musikschule, der Volkshochschule von Stadt und Landkreis, Künstler-Ateliers und Räume für Catering oder ein Burgcafè enthalten.
Rolf Bender, der Leiter der „Burgendelegation“, zeigte sich bereits zu Beginn der Besichtigungen begeistert von der Burgruine sowie der Inneren und der Äußeren Vorburg mit dem ehemaligen Traidkasten, dem jetzigen Haus des Gastes. Er bescheinigte dem Hilpoltsteiner Museums- und Heimatverein eine vorbildliche Arbeit und dies seit 50 Jahren und freute sich besonders, dass der Verein nun auch Mitglied in der Deutschen Burgenvereinigung wird. Diese Vereinigung bemüht sich um den Schutz von Burgen, Schlössern und Herrenhäusern. Sie ist ein Verein von Denkmalfreunden aus allen Schichten der Bevölkerung und sieht sich als Bürgerinitiative für den Erhalt und die Pflege der Burgen in Deutschland.
Dr. Thomas Platz informierte die Gäste eindrucksvoll mit seinem reichen Erfahrungsschatz zur Entstehungsgeschichte der Burg und die baulichen Erweiterungen der Burganlage. Seine Forschungen belegten die Existenz der Burg bereits im 11. Jahrhundert. Für das 10. Jahrhundert wurden erste Befestigungen aus Holz/Erde archäologisch nachgewiesen. Die Blütezeit während der Herren von Stein erlebte die Burg im 13. und 14. Jahrhundert. Die letzte Bewohnerin Pfalzgräfin Dorothea Maria lies die Burg zu Beginn des 17. Jahrhunderts zum Schloss umfangreich erweitern.
Die Besuchergruppe war begeistert von den außergewöhnlichen historischen Bauwerken, wie dem Fryerskeller, dem freigelegten ursprünglichen Zugang zur Kernburg und die aktuellen Grabungen mit der Entdeckung eines einzigartigen mittelalterlichen Kühlschrankes. Auch der historische Dachstuhl des ehemaligen Traidkastens aus dem Jahre 1473 fand großes Interesse bei den Burgenkennern, insbesondere auch wegen der großartigen mittelalterlichen Zimmermannsarbeit.
Das umfangreiche Zweitagesprogramm führte die Burgendelegation noch in die Hilpoltsteiner Residenz mit ihren hervorragend erhaltenen Stuckdecken und ins Rathaus, wo auch ein Blick auf den historischen Dachstuhl geworfen wurde, fachkundig moderiert von Julia Isenberg vom Kulturreferat der Stadt Hilpoltstein. Ein Abstecher ins Museum im „Schwarzes Ross“ war obligatorisch.
Besuche des Burgstalls von Lampersdorf und der ehemaligen Klosterkirche in Seligenporten, wo sich der seltene Familiengrabstein der Reichsministerialenfamilie von Stein zu Hilpoltstein befindet, waren der Abschluss der spannenden Bildungsfahrt der gut 30 Mitglieder der Burgenvereinigung. Nicht wenige wollen wiederkommen.
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